Pferde artgerecht und gesund füttern.

Das richtige Raufutter für gesunde Pferde, was sie wissen sollten.

LUFA Nord-West Institut für Futtermittel 

Dem Fruktangehalt wird in der Pferdefütterung immer mehr Bedeutung zugemessen. Vor allem bei der Fütterung von Rehepferden ist die Kenntnis über die Höhe des Fruktangehalts wichtig für die Rationsgestaltung. Durchschnittlich liegt der Wert für den Fruktangehalt bei der Heuernte 2019 bei 5,6 % in der TS. In der Heulage liegt der durchschnittliche Fruktangehalt bei 4,0 % in der TS.

Der durchschnittliche Fruktangehalt im Heu ist im Vergleich zu den letzten beiden Erntejahren auf einem gleichen Niveau geblieben. 

Da Fruktan entsteht, wenn das Gras zum Beispiel durch Kälte, Trockenheit und unzureichende Düngung unter Stress gerät und vermehrt Fruktan als Speicherstoff produziert, kann es bei Gras und so auch im Heu oder Heulage, das lange großer Trockenheit ausgesetzt war zu erhöhten Fruktangehalten kommen.

Neben Fruktan, sollte bei Stoffwechselerkrankungen, wie dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) oder Cushing vor allem auf die Gesamtzufuhr an Nichtfaser-Kohlenhydraten (NFC) geachtet werden. Diese setzen sich aus Stärke + Zucker + Fruktan + Pektine etc. zusammen. Stärke, Zucker und Fruktan sollte zusammen nicht mehr als 10 % betragen. 

Hier empfiehlt sich die Fütterung eines energie- und zuckerarmen Heus/Heulage. Die Fütterung von sehr leichtfuttrigen Pferden kann ebenfalls eine Herausforderung darstellen, da eine optimale Balance zwischen einer pferdegerechten Fütterung mit einer Mindestmenge an Raufutter und keiner Überversorgung gefunden werden muss. Es empfiehlt sich rohfaserreiches und energiearmes Heu/Heulage zu füttern.

Für gesunde und zufriedene Pferde, Heu besser nicht rationieren!

Fressen macht Pferde nicht nur satt, sondern beschäftigt Kopf, Magen und Darm. 
Wann aber ist die richtige Zeit für die täglichen Mahlzeiten?

Ein ausgiebiges Frühstück ist für Menschen der beste Start in den Tag. Bei Pferden ist jede Mahlzeit wichtig. Freilebend verbringen sie rund 60 Prozent ihrer Zeit mit Fressen. Sie sind quasi Dauerfresser. Nach einer Mahlzeit dösen sie zwei bis drei Stunden, bevor sie weitergrasen.
 

Stehen Pferde ganztägig auf der Weide, entspricht das ihrem natürlichen Fressbedürfnis am ehesten. Sie grasen zwischen 12 und 14 Stunden. Im Stall schlingen sie Heu und Kraftfutter zusammengerechnet oft in zwei bis vier Stunden hinunter. Das ist viel riskanter, als manche Reiter denken.
 

Anatomisch gesehen sind Pferde einfach nicht auf das Fressen großer Mengen ausgerichtet. Ihr Magen ist recht klein. Er fasst nur etwa 5 bis 15 Liter. Salzsäure wird quasi dauernd produziert. Wie schnell das Futter durch den Magen in den Dünndarm rutscht, hängt vom Volumen ab. Größere Mengen gehen schnell durch, kleine Portionen brauchen länger. Das ist bekömmlicher: Das Pferd kaut das Futter gründlich, speichelt es intensiv ein, füllt ständig seinen Magen.

Heu besser nicht rationieren...

Pferde kauen Heu intensiver und können es nicht hinunterschlingen. Ein Kilo Heu frisst ein Pferd in rund 40 Minuten. Da Pferde laut neuester Empfehlungen von Fütterungsexperten mindestens 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilo Körpergewicht am Tag fressen sollen, knabbert etwa ein 600 kg schweres Pferd rund sieben Stunden an zehn Kilo Heu.

In den meisten Pferdeställen wird Heu jedoch rationiert, weil es angeblich fett und träge macht. Tatsächlich ist gutes Heu der optimale Treibstoff, der den Pferdedarm in Schwung hält. Stabilität und Qualität der Darmflora hängen von der Rohfaser ab. Bei der Verdauung entstehen flüchtige Fettsäuren, die dem Pferd stundenlang als gleichmäßige Energiequelle zur Verfügung stehen. Heu sollten Sie daher nicht rationieren, sondern Ihrem Pferd die freie Wahl lassen, sich rund um die Uhr zu bedienen. Wer am Raufutter spart und womöglich auch noch die Fütterung auf zwei Portionen am Tag beschränkt, riskiert Magengeschwüre und schwere Verdauungsstörungen (Kolik).

Fressen ist für Pferde aber auch eine psychisch wichtige Beschäftigung. Fehlt diese, entwickeln manche Tiere abnormales Verhalten. Sie schlucken Luft (koppen), tigern in ihren Boxen auf und ab oder weben in Erwartung des Futters. Dabei belasten sie abwechselnd die Vorderbeine und pendeln mit dem Kopf hin und her. Um solche Stereotypien zu vermeiden, muss die Fütterung so gut es geht an die Bedürfnisse des Pferds angepasst werden. Hilfreich sind dabei sogenannte Heunetze. Daraus futtern Pferde ihre Portion langsamer. 

Laut neuer Leitlinien zur Pferdehaltung unter Tierschutzaspekten sollten Fütterungspausen nie länger als vier Stunden dauern.

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